Das Mülltonnen-Brett

Beitrag vom 18.05.2008

Nun habe ich mein fünftes Kiteboard gebaut, das ich natürlich in die Ferien nach Sardinien mitnehmen wollte. Leider musste ich nun mein erstes grosses Lehrgeld bezahlen… Kleiner Fehler, grosse Wirkung: Das Brett musste sich in einem Müllsack von mir trennen :-( Da ich die Bauphase ansonsten mit einigen Fotos dokumentiert habe, stelle ich die Story trotzdem online.

Alles begann wie üblich mit der Bestellung des ganzen Materials. Wo die ganzen Sachen zu kriegen sind, habe ich ja bereits hier in einem Beitrag erfasst. Erstmals habe ich die Inserts verwendet, die es bei www.composite-solutions.ch zu kaufen gibt. Diese werde ich wieder verwenden: Die Inserts sind nämlich gegen unten geschlossen, somit kann man sich das Brett nicht mit zu langen Schrauben schrotten. Ausserdem haben diese eine kleine Kappe, so dass man das Gewinde nicht extra vor dem Eindringen von Harz schützen muss.

Der Aufbau sieht folgendermassen aus (von oben nach unten)

4 Lagen 163er Glas
12mm Balsa
2 Lagen schwarzes 163er Glas

Der Kern ist ausgedünnt auf 3mm an den Tips und auf 6mm an den Kanten. Die Kanten habe ich aus einem rot eingefärbten Harz-Baumwollflocken-Gemisch gegossen. Auf dem Deck wollte ich einen Stoff einlaminieren, habe das Teil aber nicht mehr gefunden… Den Rockertable habe ich schon länger gebaut, deshalb weiss ich über den genauen Rocker nicht mehr bescheid, es müssten aber 4-5cm gewesen sein. Der Shape ist an ein North Jamie angelehnt.

Also zuerst mal die Balsa-Brettchen mit Holzleim zusammenkleben:

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Dann habe ich die Outline aufgezeichnet und mit einem 8mm-Fräser innerhalb der Markierung ausgefräst (6mm tief). Die Verstärkung für die Finnenlöcher habe ich mit einem 20mm-Fräser gemacht. Immer eine Maske tragen, der Schleifstaub ist giftig.

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Die Kante und die Finnenverstärkungen habe ich mit einem Gemisch aus Harz und Baumwollflocken ausgegossen. Dieses habe ich mit roter Farbpaste eingefärbt. Man muss immer schauen, dass man genug füllt, da das Holz noch ein bisschen wegsaugt und im Harz noch ein bisschen Luft vom Anmischen entweicht. Mit dem restlichen Harz kann man den Kern abspachteln, dann zieht er später weniger Harz. Dann ein Bier öffnen ;-) und 24h warten bis alles hart ist, was dann etwa so aussieht:

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Die Outline kann gut mit einer Stichsäge ausgesägt werden. Lieber einige Millimeter weiter aussen und dann schleifen, sonst ist die schöne Kante futsch ;-)

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Mit groben Schleifpapier das restliche Balsa bis zur Kante wegschleifen, dann siehts so aus:

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Dann die liebe Freundin fragen, ob sie die Steps einzeichnet, die Frauen haben da immer gute Tricks auf Lager :-)

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Jetzt gehts auch schon ans Ausdünnen des Kerns. Hier gilt es nun überlegt zu arbeiten, da doch schon einiges an Arbeit im Brett steckt. Mit diesem guten Vorsatz hats dann auch funktioniert.

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Dann müssen die Steps noch schön verschliffen werden. Hier habe ich kein gutes Foto vom Endresultat, aber man kann sehen in welche Richtung es geht. Damit beim Laminieren das Glas schön anliegt, sollten die Übergänge schön flüssig werden.

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Sind Glas, Abreisgewebe, Saugflies, Vakuumfolie etc. zugeschnitten, kann es auch schon ans Laminieren gehen. Dann ist Action angesagt, deshalb sollte alles schön bereit liegen und man sollte alles gut durchdenken (wie man später noch sehen wird). Ein kleiner Pinsel eignet sich gut, um das Glas bei den Steps schön anzudrücken. Die nächsten Fotos zeigen das Brett dann auch schon im Vakuum und es muss wieder gewartet werden.

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In der Nacht hatte ich dann auch schon ein flaues Gefühl im Bauch. Am Morgen bin ich dann den Laminierprozess im Kopf nochmals durchgegangen und auf einmal ging mir ein Licht auf… :-( FUCK :-( Beim Anmischen vom Harz fürs Oberdeck habe ich nur 50% Härter verwendet. Keine Ahnung wie dieser Fehler passieren konnte. Beim nächsten Board werde ich mir VORHER aufschreiben wieviele Portionen mit welchem Gewicht ich anmischen will… Eigentlich wäre das Brett sehr geil geworden, aber die Pampe war einfach nicht hart.

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Meine Flüche hörten sich dann etwa so an: *peeeeeeeeeep* So schnell landen viel Arbeit und Geld in der Mülltonne :-( Das nennt man dann Lehrgeld, der Fehler wird mir auf jeden Fall nicht mehr unterlaufen. Tja, mittlerweile bin ich darüber hinweg und denke schon wieder über das nächste Kiteboard nach. :-)


7 Kommentare for 'Das Mülltonnen-Brett'

  1.  
    Käsebrot
    20.05.2008 | 15:06
     

    Hi Jibber,

    ist ja sch…. mit dem Härter, aber shit happens.
    Ich plane auch mir ein Board zu bauen, bin aber noch ganz am Anfang.
    Somit hab ich eine Frage, wofür ist das Vakuum?
    Gruß, Käsebrot

  2.  
    20.05.2008 | 19:37
     

    Hallo Käsebrot

    Durch das Vakuum:
    - wird das Brett in die Form gedrückt
    - das Glas perfekt an den Kern gepresst
    - Lufteinschlüsse eliminiert

    Thereotisch kann man auch ohne Vakuum bauen. Mein erstes Brett aus Sperrholz und Styrodur habe ich in die Form gepresst mit Schraubzwingen etc.

    Ich hoffe, dass ich dir weiterhelfen konnte!

    Gruss Christoph

  3.  
    Käsebrot
    23.05.2008 | 11:23
     

    Hi Jibber,

    du sagst in die Form gedrückt.
    Welche Form?? Hat das Board eine Krümmung o.ä.?
    Ich schätze auf dem Bild Board5_16 ist die “Oberseite” Oben, oder?

    Vielen Dank schonmal für die Hilfe und Gruß, Simon

  4.  
    Käsebrot
    23.05.2008 | 11:27
     

    Mist, eins hab ich noch vergessen, Laminierst du Ober- und Unterseite gleichzeitig, also in einem Abwasch, ohne erst die eine Seite trocknen zu lassen.

    Besten Dank, Simon

  5.  
    24.05.2008 | 08:36
     

    Ja das Brett hat eine Aufbiegung in längsrichtung, in der Fachsprache nennt man diese “Rocker”. Um dem Board diese Aufbiegung zu geben, braucht man eine Form und vorzugsweise Vakuum. Die Form muss natürlich mit Trennmittel behandelt werden, sonst würde man das Brett gar nicht mehr rauskriegen ;-) Auf dem von dir erwähnten Bild siehst du die Oberfläche (und auch sehr gut die Form).

    Bis jetzt habe ich Unter- und Oberseite immer in einem Gang gemacht. Beim nächsten Brett werde ich wahrscheinlich in zwei Gängen laminieren, ist weniger stressig.

    Gruss Christoph

  6.  
    heindoof
    21.11.2010 | 22:57
     

    Hiho,
    als kleinen tipp setzt den Vakuumfuss beim kleben nicht aufs Board sonder an eine fläche wo sich nur das Airwave befindet.So vermeidest du hässliche Abdrücke auf dem Brett und an der Saugleistung ändert sich nichts.Du benutzt ja das Airwave damit das Vakuum auf der ganzen Fläche wirkt

  7.  
    22.11.2010 | 12:35
     

    Ja, das mache ich in der Zwischenzeit auch so. Zudem ist auch die Gefahr geringer, dass Harz angesaugt wird. Trotzdem danke für den Tipp!

    Gruss Christoph

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