In und um Lissabon

Beitrag vom 07.06.2010

Junge, Junge, da hab ich mir einen eingebrockt: Eine ganze Woche kein Tagebuch geschrieben… Uff, here we go:

Der Camping Municipal de Alcacer do Sal ist ein echter Tipp: klein aber fein und mit 8 EUR (inkl. gratis WLAN) der bisherige Tiefpreis-Kracher. Mit diesem Schnäppchen verabschieden wir uns jetzt auch aus der Nebensaison, der Juni ist da.

Wir fahren nach Setubal und finden einen Parkplatz nahe dem Zentrum. Obwohl Setubal als Industiestadt abgetan wird, gefällt uns die Altstadt recht gut. An einem Platz esse ich einen riesigen Schinken-Käse-Toast und trinke ein Bierchen. Sonja bestellt einen Caipi und wir bezahlen zusammen 6 EUR, so macht der Mittags-Snack Spass :-)

  

Unser nächstes Ziel ist die Lagoa de Albufeira, da man dort gemäss Spotguide kiten kann. Das Dörfchen mit den Campingplätzen macht den Anschein, als ob hier sämtliche Strassen erneuert werden… Unser Navi schickt uns hin und her und schlussendlich finden wir zwar nicht den Camping, den ich eingegeben habe, aber Camping ist Camping… Auf jeden Fall sind wir bei so einem Camping Club gelandet (Clube Português de Caravanismo), der eigentlich nur Dauercamper beherbergt. Es gibt aber ganze drei Plätze für Wohnmobile, als was wir mit VW Bus generell taxiert werden. Die Aussicht auf die Lagune ist herrlich und wir sind die einzigen “fremden” Gäste.

 

Von den Dauercampern ist wenig zu sehen, da gerade kein Wochenende ist. Nach einem Blick in die algige Lagune, in der alles mögliche kreucht und fleucht, streichen wir das Bad und entscheiden uns für die Dusche. Die Hitze ist wieder einmal kaum auszuhalten, alles klebt und Wind ist sowieso keiner da. Da kein Supermarkt in der Nähe ist, wollen wir unsere Notvorrat-Currydose essen. (@ Matthias: Die Bohnen sparen wir immer noch für ganz harte Zeiten ;-)) Auf jeden Fall hat sich dann herausgestellt, dass es nur eine Sauce ist, also ohne Fleisch… Wer mich kennt, kann meine Begeisterung bestimmt nachvollziehen :-o

Am Dienstag geht es in die Hauptstadt Lissabon. Über die sechsspurige Brücke, von der die inneren Spuren nur aus Gitterrosten bestehen, fahren wir auf die Stadt zu. Erstmals seit Frankreich zahlen wir Maut: 3.25€. Wir fahren direkt zum “Camping Lisboa”, checken ein und gönnen uns als erstes eine Abkühlung im Pool. In der “Free Camping Area” muss man ein bisschen suchen, um einen ebenen Platz zu ergattern, dafür spart man 4€ pro Nacht, nur so als Tipp am Rande. Dannach sind wir zur nahen Busshaltestelle und mit dem 714er in die City. Dort angekommen, setzen wir uns ins alte 12er Tram und drehen erstmal eine Runde in diesem kultigen Gefährt durch die engen Gassen… einmalig! Anschliessend sehen wir uns die Burg an, von der man einen genialen Ausblick auf die Stadt hat. Der Eintritt kostet 7 EUR pro Person. Unser Reiseführer ist gerade einmal zwei Jahre alt und es gibt praktisch keine Sehenswürdigkeit in Portugal, die nicht mindestens 50% aufgeschlagen hat! Nach dem Besuch setzten wir uns ins 28er Tram und drehen auch damit noch eine Runde, die einges länger dauert als erwartet. So sind wir erst gegen halb neun in der Cervejaria da Trinidade, die uns als Lokal fürs Nachtessen empfohlen wurde (Danke @Tina). Ich beschliesse mein Vorurteil gegen getrockneten Fisch abzubauen (Bacalhau = portugiesisches Nationalgericht, von dem es angeblich über 300 Zubereitungsarten gibt) und bereue meine Wahl nicht. Auch die Nachspeisen sind von Allerfeinsten, mmmmh! Mit dem Taxi geht es für knapp neun Euro rasant zurück zum Camping, da die Bus- und nachts auch Zugfahrt etwas umständlich ist.

  

Am Mittwoch wollen wir zeitig los, da wir aus der Hitze vom Vortag gelernt haben. Selber Bus, selbe Strassenseite, aber der Bus fährt trotzdem in die andere Richtung der Route. Naja, an der Endstation sind wir eine Erfahrung reicher und kommen nun halt etwas später in Belém, einem Vorort von Lissabon an. Hier besichtigen wir das Kloster “Mosteiro des Jerónimos” (7€ p.P.). Das Bauwerk im manuelinischen Stil gefällt uns sehr gut, der Kreuzgang wurde kürzlich renoviert. Da die Touristen in Reisebussen rangekarrt werden, ist relativ viel Betrieb. Anschliessend spazieren wir zum nahe gelegenen Torre de Belém, einem Verteidigungsturm im selben Stil. Die 5€ pro Nase sparen wir uns (für etwas Süsses), und schauen den Turm von Aussen an. Da es heute bedeckt ist, hält sich die Hitze in Grenzen und wir fahren mit dem Bus in die Innenstadt. Die Fahrt im Lift beim Platz Rossio lassen wir uns nicht entgehen, schliesslich haben wir eine Tageskarte :-) Anschliessend spazieren wir durch das Viertel Baixa zum Platz “Praça do Comércio” und dann zur Kathedrale Sé. Von dort fahren wir mit dem Tram zum Praça da Figueira und erschöpft von all den Eindrücken mit dem Bus zurück zum Camping.

    

Der Donnerstag soll gemütlich werden. Nach einem Zwischenstopp im Supermarkt fahren wir zum “Parque de Campismo do Guincho” in der Nähe von Cascais. Am Guincho Beach schauen wir fasziniert den Surfern, Windsurfern und Kitern zu. Ich mache den “Fehler” und beginne Digital Fortress von Dan Brown zu lesen, wohl ein Grund wieso unser Blog in den letzten Tagen zu kurz gekommen ist ;-)

 

Am Freitag jagen wir unsere Innova insgesamt 70 Kilometer durchs Hinterland auf unserer Monster-Sightseeing-Tour. Unser erstes Ziel ist der Palácio National da Pena. Nur schon die Fahrt durch die Serra da Sintra mit dem Duft des Waldes in der Nase ist traumhaft. Wir kaufen ein Kombiticket (inkl. Convento dos Capuchos) für stolze 14€ p.P. Das märchenhafte Schloss wurde in einem wilden Stilmix gebaut und steht in einem riesigen Park/Wald. Besonders sehenswert und auch interessant sind die Räumlichkeiten, welche noch mit den originalen Möbeln der Königsfamilie ausgestattet sind. Abseits vom Trubel spazieren wir noch zum Crux Alta auf 525m, dem höchsten Punkt der Serra da Sintra.

   

Wieder auf dem Roller fahren wir durch Sintra und anschliessend durch den endlosen Wald zum Convento dos Capuchos, dem krassen Gegensatz zum Palast. Hier lebten Mönche in einem Waldkloster im Einklang mit der Natur. Die winzigen Zellen sind mit Korkrinde isoliert und wurden mit der eigenen Körperwärme geheizt. Im Gegensatz zum Palast sind wir hier fast alleine. Die Ruhe, das Plätschern des Wassers und das Zwitschern der Vögel – man kann sich das karge Leben der Mönche sehr gut vorstellen.

  

Mit dem Roller fahren wir nach Cascais, wo wir im Vodafone Shop unser Internet Guthaben aufladen. Dann beginnt wieder einmal der Spiessrutenlauf “Geld abheben mit einer Postcard”. Etwa beim zehnten Bankomaten klappt es dann endlich, alle andern lassen mich nicht mal die Karte einführen, der Schlitz blockt direkt. *grrrr* Der Automat spuckt zudem wieder einmal nur 200€ aus. Also Karte nochmals rein, wäre ja gelacht, wenn sich das dumme Gerät nicht überlisten liesse ;-) Auf dem Weg zum Camping schauen wir noch beim Boca do Inferno vorbei. Anscheinend ist das Wetter zu wenig wild, so dass dieser Felskessel heute nicht allzu viele Geräusche macht.

Am Samstag fahren wir zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Leider gibts hier keine Bratwurst ;-) Ansonsten ist es ein Kap wie jedes andere, mit einem Leuchtturm wie jeder andere, aber Hauptsache man war am westlichsten Punkt 8-)

  

Unterwegs halten wir an einem Strassenmarkt und decken uns mit frischem Gemüse, Früchten und Confiture für wenig Geld ein. Ein wahres Fest für die Augen! Wir checken auf dem “Parque de Campismo Municipal de Mil Regos” ein. Hier darf man beim Check-In eine Nummer ziehen, wir fühlen uns wie zu Hause bei der Post ;-) Die Stellplätze für Womos sind an Sterilität nicht zu übertreffen, zum Zelten wäre es noch ok. Die Reklamation von Sonja über die kochend heisse Dusche wird sehr unprofessionel gehandhabt. Prädikat: “Nicht empfehlenswert”. Aber zurück zum Geschehen: Wir fahren mit dem Roller nach Mafra, wo wir uns in einer Snack-Bar mit einem Hamburger stärken. Dann sehen wir uns den Palácio National de Mafra an. Der gigantische Klosterpalast, der beim Bau fast zum Staatsbankrott geführt hat, ist definitiv sehenswert. Highlight ist die Bibliothek mit ca. 40’000 Büchern.

  

Im Umkreis von Lissabon gibt es einiges zu sehen, wie der aufmerksame Leser sicher festgestellt hat. Und wir haben sogar ein paar Sehenswürdigkeiten ausgelassen… :-o

Nachdem wir am Sonntag die Surfer am Strand von Ericeira bewundert haben, fahren wir weiter nach Peniche. Auf der Halbinsel gibt es eine schöne Küstenstrasse. In einer Strandbar stärken wir uns und schauen zwei Kitern zu, die sich in den mannshohen Wellen austoben. Anschliessend fahren wir weiter zur Lagune bei Foz de Arelho. Die angeblich grösste Lagune Portugals kommt mir eher klein vor und vier Kiter drängen sich hier am Spot. Langsam kriegen wir den Kitekoller: Während der ganzen Reise noch nie gescheit auf dem Wasser gewesen… kein Wind, zu viele Wellen, zu schwieriger Spot! Ich werde wohl bald anfangen mit Golf oder so ;-) Am Abend wollen wir essen gehen, finden aber kein einladend aussehendes Restaurant. Wo gibt es denn so etwas? Im Minimarkt auf dem Camping ergattern wir eine Packung Fischstäbchen, der Abend ist gerettet. Also eigentlich nur halb, denn vor einer Woche ist der Vorrat an Tommy Mayonnaise zu Ende gegangen… NOTSTAND! Wir hoffen, dass und bald mal jemand besucht und Nachschub liefert!


2 Kommentare for 'In und um Lissabon'

  1.  
    Nati
    10.06.2010 | 17:23
     

    Peniche und d’Umgäbig isch mega schön. Gueti Ziit wiiterhin und Liäbi Grüess, Nati

  2.  
    11.06.2010 | 11:04
     

    Isch natürlich Surfers Paradise döt une! Wer weiss, vilicht probiered miers au mal no irgendwo mit Welleriite :-)

Schreibe einen Kommentar

(required)

(required)


Hinweise zu den Kommentaren
Zeilen und Absätze werden automatisch umgebrochen. Die E-Mail Adresse wird nicht angezeigt. Achte bitte darauf was Du veröffentlichst.

Um deinen Kommentar zu formatieren benutze bitte die Funktionsbuttons.



RSS Feed zu diesem Beitrag | TrackBack URI